Gibt es eine Altersbeschränkung bei der allergologischen Diagnostik?

- Nicht immer sind Allergietests bei Kleinkindern aussagekräftig.
Allergische Erkrankungen nehmen nicht nur weltweit zu, sie besitzen auch und gerade im Kindesalter zunehmende Relevanz. Insbesondere bei den Nahrungsmittelallergien und der atopischen Dermatitis, aber auch beim frühkindlichen allergischen Asthma bronchiale handelt es sich um Erkrankungen, die sich überwiegend in den ersten Lebensjahren manifestieren. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnostik und Therapie dringend erforderlich.
Als Instrumente der allergologischen Basisdiagnostik stehen die Hauttestungen und die Bestimmung von Gesamt- und spezifischem IgE im Serum zur Verfügung. Ist man sich in Medizinerkreisen einig, dass eine entsprechende Diagnostik jenseits des 5. Lebensjahres etwa die gleiche Bedeutung und Aussagefähigkeit wie bei Erwachsenen besitzt, so herrscht bezüglich der Allergietestung bei unter 5-jährigen Kindern häufig eine zögerliche Grundhaltung vor. So konnten Untersuchungen in Brandenburg nachweisen, dass nur 50 % aller Kinder mit atopischen Symptomen exakt allergologisch diagnostiziert wurden (1).
Als Gründe für die Zurückhaltung wird angegeben, dass die Ergebnisse der Allergietestungen in diesem Alter unsicher sind. Tatsächlich bedarf die Indikationsstellung zu einer Allergietestung im Kleinkindesalter einer differenzierten Betrachtungsweise. Aus immunologischer Sicht besitzt eine Allergiediagnostik bis neun Monate nach der Geburt aufgrund der vorliegenden Leihimmunität durch die Mutter nur einen begrenzten Aussagewert. Die Haut weist bei Kindern bis zum 3. Lebensjahr nur eine schwache Reagibilität auf, was bei Hauttestungen mit aerogenen Allergenen zu falsch negativen Ergebnissen führen kann.
Dagegen wird die diagnostische Wertigkeit von allergologischen Bluttests bezüglich einer allergisch bedingten obstruktiven Bronchitis im (frühen) Kindesalter mit etwa 90% angegeben und ist damit der Hauttestung deutlich überlegen (2). Deshalb sollte bei Kleinkindern bis zum 3. Lebensjahr dem Bluttest der Vorzug gegeben werden, insbesondere dann, wenn es sich um eine Vielzahl von zu untersuchenden Allergenen handelt.
Anders verhält es sich allerdings bei Kindern mit dem Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie. Gegenwärtig sind nur wenige Nahrungsmittel-Antigene für den Hauttest (Prick-Lösungen) sowie für den Bluttest (Antikörpertest) verfügbar (z.B. Milcheiweiß, Hühnerei, Fisch). Deshalb empfiehlt es sich, einen Hauttest mit nativem (möglichst frischem und unverarbeitetem) Nahrungsmittel durchzuführen, wobei sich Reibe- und Prick-in-Prick-/Scratch-Tests schon im frühen Kleinkindesalter (ca. ab dem 9. Lebensmonat) bewährt haben. Auch sollte stets vor Durchführung eines Nahrungsmittel-Provokationstestes ein Hauttest erfolgen. Insbesondere nach Hühnereiweiß und Fisch werden häufiger starke Reaktionen beobachtet.
Stark positive Hauttests verbieten eine Provokation. Sind allerdings die Ergebnisse der Hauttestungen nicht eindeutig oder bestehen keine guten Übereinstimmungen mit den Angaben des Patienten bzw. dessen Bezugsperson über entsprechende Unverträglichkeitsreaktionen, so ist eine kontrollierte Nahrungsmittelprovokation indiziert (3). Zusammenfassend lässt sich daher mit den Worten von Berdel (4) resümieren, dass das Kindesalter an sich keinen limitierenden Faktor für eine (Allergen-)Hauttestung darstellt.
Literatur:
- Landesgesundheitsamt Brandenburg: Allergievorsorgeprogramm 1994. Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsförderung 2 (1995)
- Lau S, Wahn U (1999): Allergologische Diagnostik. In: Pädiatrische Pneumologie, Hrsg.: Rieger C, von der Hardt H, Sennhauser FH, Wahn U, Zach M, Springer Verlag. S. 248-253.
- Niggemann B et al. (1998) Standardisierung von oralen Provokationstests bei IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien. Allegro J 7: 45-50
- Berdel D (1986) Allergologische Diagnostik im Kindesalter. Kinderarzt 17: 153-165.











