Neurodermitis – eine komplexe Erkrankung

- Innerliche und äußere Provokationsfaktoren können die Neurodermitis unterhalten oder einen neuen Schub auslösen.
Ursachen und auslösende Faktoren der Neurodermitis
Die Ursachen der Neurodermitis konnten bis heute noch nicht in allen Einzelheiten geklärt werden. Man weiß aber, dass an der Entstehung dieser chronisch-entzündlichen Hauterkrankung verschiedene Faktoren wie genetische, immunogene und allergische sowie psychische Einflüsse beteiligt sein können. Um die komplexe Erkrankung erfolgreich zu behandeln, ist eine umfangreiche Diagnostik zwingend erforderlich.
Die atopische Dermatitis, auch Neurodermitis genannt, gehört mit etwa 3,8 Millionen Erkrankten zu den häufigsten Hauterkrankungen in Deutschland. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kinder im Vorschulalter. Die steigende Umweltverschmutzung durch Luftschadstoffe wie Stickoxide und Ozon wird immer häufiger als Ursache für die Zunahme allergischer Erkrankungen diskutiert. Bewiesen ist, dass Kinder in Ballungsgebieten bedeutend öfter an Neurodermitis erkranken als Kinder in ländlichen Regionen mit vergleichsweise geringer Belastung durch Autoabgase. Ein Großteil der Neurodermitiker stammt aus erblich vorbelasteten Familien. Die angeborene Veranlagung an Neurodermitis, allergischem Bronchialasthma oder allergischem Schnupfen zu erkranken, nennt man Atopie. Dabei wird aber nicht die Krankheit selbst, sondern die Neigung vererbt. Die Wahrscheinlichkeit, an Neurodermitis zu erkranken, liegt für Kinder, deren Eltern beide an atopischen Erkrankungen leiden, bei etwa 60 Prozent. Unabhängig davon weisen die meisten Patienten einige typische Eigenschaften auf: besondere Hauteigenschaften wie zum Beispiel trockene Haut, eine gesteigerte Neigung zur Bildung von Immunglobulin E(IgE)-Antikörpern und eine verminderte zelluläre Immunabwehr.
Auslösende Faktoren
Ob Neurodermitis überhaupt ausbricht, ist nicht nur von der genetischen Veranlagung abhängig, sondern kann durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden. Denn bei entsprechender Veranlagung befindet sich der Körper in einem Zustand, in dem er auf bestimmte Provokationsfaktoren mit einer entzündlichen Reaktion der Haut, nämlich dem atopischen Ekzem oder der Neurodermitis reagiert. Als Auslöser der Neurodermitis kommen verschiedene innerliche und äußerliche umweltbedingte Faktoren in Frage.
Individueller Krankheitsverlauf
Die Neurodermitis ist von akuten Krankheitsphasen und nahezu erscheinungsfreien Perioden gekennzeichnet. Der Verlauf der Erkrankung kann im Einzelfall sehr unterschiedlich sein und lässt sich nur schwer vorbestimmen. Unabhängig vom Lebensalter sind die Hautveränderungen aller Neurodermitiker durch Entzündungen, vergröberte Hautfelderung und Folgen des Kratzens gekennzeichnet. Typische Merkmale sind neben starkem Juckreiz entzündliche Hautrötungen mit Nässen und Krustenbildung oder Schuppung mit Hautverdickung. Oftmals treten bei Neurodermitikern weitere atopische Erkrankungen, wie beispielsweise Heuschnupfen und Asthma, auf. Zusätzlich sind eine Reihe von anderen Merkmalen bekannt. Dazu zählen ein früher Beginn der Erkrankung, trockene und rauhe Haut, Hautblässe, Juckreiz beim Schwitzen, Wollempfindlichkeit, die Neigung zu Einrissen in den Mundwinkeln, Augenschatten, eine doppelte Lidfalte sowie vermehrte Linien an den Handinnenflächen und Fußsohlen.
Die Vielzahl der auslösenden Faktoren sowie der individuelle Krankheitsverlauf der Neurodermitis erfordern daher auch unterschiedliche Behandlungsansätze. Wichtiges Ziel der medikamentösen Therapie ist es, die bestehenden Ekzemherde möglichst schnell bis zur Erscheinungsfreiheit zu behandeln. In der Folge muss versucht werden, auslösende Provokationsfaktoren zu erkennen und zu vermeiden. Nur dann kann ein langanhaltender Therapieerfolg erreicht werden. Noch längst sind nicht alle auslösenden, unterhaltenden und verändernden Faktoren und Zusammenhänge bei der Dermatitis bekannt. Trotzdem ist es schon heute möglich, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern gezielt in den Krankheitsverlauf der Neurodermitis einzugreifen.











