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Der gefürchtete Etagenwechsel

Interview mit Dipl.-Med. Jens Buttler

Atopiker sind Menschen, deren Immunsystem übermäßig reagiert. Sie neigen zu allergischen Reaktionen, wie zum Beispiel Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergischem Asthma. Nach Schätzungen von Experten sind etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung von allergischen Krankheiten unterschiedlichster Art betroffen. Dabei stehen bei Kleinkindern Hautkrankheiten wie die Neurodermitis im Vordergrund. Ohne eine geeignete Diagnostik und Therapie kann jedoch bei den Betroffenen der gefürchtete „Etagenwechsel“ auftreten.

Herr Buttler, wie kann der so genannte Etagenwechsel bei Neurodermitikern aussehen? 
Jens Buttler: Neurodermitis gehört ebenso wie Heuschnupfen und Asthma bronchiale zu den atopischen Erkrankungen, die sich häufig bereits im Säuglings- und Kleinkindalter manifestiert. Aber auch im Erwachsenenalter lässt sich die chronische Hauterkrankung beobachten. Während die Hauterscheinungen im Kleinkindalter noch sehr stark ausgeprägt sind, gehen sie meist mit zunehmendem Alter zurück. Allmählich können aber andere allergisch bedingte Symptome wie Heuschnupfen, Husten und Luftnotzustände neu dazukommen. Im Klartext: Die Hauterscheinungen gehen immer weiter zurück und die allergischen Beschwerden nehmen immer mehr zu. In solch einem Fall spricht man von einem Etagenwechsel. Dieser Prozess zieht sich über Monate und Jahre hin. Oft leidet der Patient dann nicht mehr an einer Neurodermitis, sondern an einer Rhinitis allergica oder an einem Asthma bronchiale.

Wie häufig tritt dieser Fall auf? 
Jens Buttler: In 25 bis 50 Prozent ist ein Übergang in ein Asthma bronchiale zu beobachten. Die Wahrscheinlichkeit nimmt zu, wenn die Allergie nicht diagnostiziert und behandelt wird.

Warum ist eine umfangreiche Diagnostik bei Patienten mit Neurodermitis so wichtig? 
Jens Buttler: Nur wenn der Patient über zu erwartende Symptome aufgeklärt wird, weiß er entsprechend darauf zu reagieren. Bei Neurodermitikern sollte deshalb auch frühzeitig nach Nahrungsmittelallergien, saisonalen und ganzjährigen Allergien gesucht werden. Auch die Lungenfunktion sollte überprüft werden, um bereits latente Obstruktionen zu erfassen. Hierbei handelt es sich um Einengungen der Atemwege, die vom Patienten noch nicht klinisch wahrgenommen wurden.

Welche spezifischen Anforderungen werden bei der Behandlung von Neurodermitikern an die Klinik und ihre Mitarbeiter gestellt? 
Jens Buttler: Die Behandlung ist sehr vielfältig und umfangreich. Deshalb muss das medizinische Personal bei der Durchführung von Allergietestungen sowie bei der Durchführung von Haut- und Lungenfunktion optimal geschult sein.Weiterhin sind neben der Salbentherapie verschiedene Bäder- und Lichttherapien von den Mitarbeitern zu beherrschen.

Inwieweit findet eine Erfolgskontrolle während der Behandlung statt? 
Jens Buttler: Durch wiederholte Arztvorstellung während des Aufenthaltes in unserer Klinik kann auf eine zwischenzeitliche Verschlechterung des Hautbefundes sofort reagiert werden und die Therapie dementsprechend geändert oder erweitert werden. Damit findet die Erfolgskontrolle des Patienten fast täglich statt. In einer abschließenden Hautfunktionsuntersuchung wird der Hautbefund des Patienten objektiv beurteilt.

Welche Therapieerfolge können Sie bei Neurodermitikern mit einer zusätzlichen allergischen Reaktion verbuchen?
Herr Buttler: Durch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachärzte, ist eine optimale Behandlung von Neurodermitikern mit beginnenden asthmatischen Beschwerden gewährleistet. Der betroffene Patient wird nicht nur von einem Dermatologen, sondern auch von einem Internisten und gegebenenfalls von einem Pädiater versorgt.

Wir danken Herrn Buttler für das Gespräch.