Klinik I
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Fakten und Mythen um die Neurodermitis

Kind bei der Salbentherapie der Ostseeklinik Kühlungsborn.
In der Ostseeklinik Kühlungsborn lernen Kinder spielerisch das richtige Eincremen, um die atopische Haut vor Austrocknung zu schützen.

Die Neurodermitis ist eine weit verbreitete Erkrankung, die bei 10–12 % der Bevölkerung besteht. Als Betroffener bzw. Familienangehöriger ist man natürlich bemüht, möglichst viel über die Erkrankung zu erfahren. Nach Umfragen bei den Selbsthilfeorganen wird daher neben einer Konsultation bei einem Haut- oder Kinderarzt sehr häufig das Internet bemüht. Gibt man den Begriff „Neurodermitis“ bei Google ein, so tauchen etwa 1,6 Mio. „Treffer“ auf, die neben fachlich und sachlich richtigen Informationen auch sehr viele Halb- oder Unwahrheiten verbreiten.

Wahr oder Unwahr?
Zucker löst Neurodermitis aus

Eine häufige Fehlmeinung ist zum Beispiel, dass Neurodermitis durch Zuckerallergien ausgelöst werden kann. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten belegen, dass Kristallzucker grundsätzlich kein Allergen darstellt und direkt auch keine Hautekzeme, insbesondere keine Neurodermitis, provozieren kann. Richtig ist, dass ein übermäßiger Zuckergenuss eine Besiedlung des Darmes mit Hefepilzen fördert, welche konzentrationsabhängig durch Freisetzung bestimmter Botenstoffe den Hautbefund verschlechtern kann. Die Empfehlung muss daher Folgende sein: Süßigkeiten in Maßen sind auch bei Neurodermitis erlaubt.

Wahr oder unwahr?
Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln verursachen Neurodermitis

Vielfach berichten Eltern, dass sich beim Genuss von Nahrungsmitteln mit Zusatzstoffen (Konservierungs- und Farbstoffe) der Hautbefund verschlechtert. Aufgrund vieler Untersuchungen wissen wir allerdings, dass bei Kindern die klassischen Nahrungsmittelallergien gegenüber Hühnereiweiß, Milch,Weizen usw. als Triggerfaktoren der Neurodermitis im Vordergrund stehen, wo hingegen Reaktionen gegenüber Konservierungs- und Farbstoffe eher selten anzutreffen sind. Häufig finden sich auch Reaktionen nach dem Genuss von sog. histaminreichen Nahrungsmitteln. Probiotische Nahrungsmittel scheinen einen positiven Einfluss auf die Neurodermitiserkrankung zu haben.

Wahr oder unwahr?
Kinder mit Neurodermits leiden häufig auch unter ADHS

In der Literatur wurde wiederholt berichtet, dass mit atopischen Erkrankungen, wie der Neurodermitis, gehäuft Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsdefiziterkrankungen (ADHS) verknüpft sind. Selbstverständlich hat sich die Ostseeklinik Kühlungsborn auch mit diesem Zusammenhang beschäftigt und konnte aufgrund jahrelanger Erfahrung nunmehr feststellen, dass es keinen zwingenden Zusammenhang gibt. Selbstverständlich führt der quälende Juckreiz bei vielen Kindern zu Unruhezuständen, dieses ist aber nicht in Verbindung mit dem Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätssyndrom zu sehen.

Wahr oder unwahr?
Neurodermitissymptome verschwinden mit zunehmenden Alter von selbst

Gelegentlich werden Eltern dahingehend beraten, dass sie die Neurodermitis ihrer Kinder nicht behandeln müssen. Es würde sowieso bis zum Eintritt ins Schulalter auswachsen. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass diese Sichtweise völlig falsch ist. Es gilt, die Hauterscheinungen so früh und so effektiv wie möglich zu behandeln, damit der „allergische Marsch“ in Richtung Asthma bronchiale und chronische Neurodermitis unterbrochen wird.

Wahr oder unwahr?
Sport verschlechtert das Hautbild

Nicht selten kommen Neurodermitispatienten und deren Eltern zum Arzt, um eine Freistellung vom Schulsport zu bewirken. Hierbei wird unterstellt, dass Sport grundsätzlich über das vermehrte Schwitzen zu einer Hautverschlechterung führt. Richtig ist, dass bereits vor mehr als 10 Jahren in der Universitätshautklinik Erlangen nachgewiesen wurde, dass Sport, insbesondere Gruppensport, den Hautzustand stabilisiert. Die Forscher berichteten, dass das Gruppen- und Erfolgserlebnis die Psyche der Patienten positiv beeinflussen, und dadurch langfristig die Behandlungsintensität und Behandlungsfrequenz reduziert werden können. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, dass die Patienten nach dem Sport duschen und sich anschließend eincremen. Empfohlen wird generell, dass die Sportlehrer über das Krankheitsbild der Neurodermitis Informationen erhalten und Verständnis für die Besonderheit der Erkrankung entwickeln.